MUNICH FABRIC START – ZU JEDEM TREND EIN GEGENTREND

Vom 29. bis 31. Januar fand die halbjährliche Stoffmesse Munich Fabric Start im MOC München und auf der Zenith Area statt. Unter dem Motto „What is love“ stellten mehr als 1000 Anbieter ihre Kollektionen, Produkt- und Trendentwicklungen vor. So unterschiedlich die Atmosphären auf den beiden Veranstaltungsorten waren, so unterschiedlich waren auch die zwei großen zu erkennenden Trends.

Der Eingangsbereich, in dem verschiedene Stoffe farblich geordnet und zum näheren Begutachten bereit hängen, zieht die Besucher in die Welt der Farben und Fabrics der kommenden Saison. Zwischen den Textilmengen sind auf großen Spulen Garne aufgerollt, die in den Trendfarben, viele grün Töne, Pastelle und Neon, leuchten. Während sich die Besucher eifrig und fleißig Garnproben abwickeln, wird so lange geplaudert, bis sich jeder auf die Suche nach einer neuen, passenden Farbe begibt. Außer dem meditativ wirkendem Prozess des Abwickelns werden im MOC auch die Business Deals abgeschlossen. Auf drei Stockwerken verteilt, befinden sich Aussteller von Fabrics, Active Wear und Additionals, die mit ihren Kunden Geschäfte abschließen. Die Gäste, die auf der Suche nach Inspiration sind, begeben sich schnell auf die Zenith Area, die mit der Blue Zone und dem Key House eine entspanntere Atmosphäre schafft und somit eine willkommene Abwechslung zu der Geschäftswelt im MOC bietet.

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Entspannte Menschen tummeln sich in den dunklen Räume mit lauter Musik, die viel Platz für Kreativität lassen. Während sich in der Blue Zone alles um den Stoff Denim dreht, kann man im Key House nicht nur Vorträge besuchen, sondern auch die neusten Technologien und Entwicklungen zum Thema Nachhaltigkeit betrachten. Auch die derzeitige Trendkoryphäe Li Edelkoort gibt auf der Munich Fabric Start seit ein paar Jahren regelmäßig Trend Seminare. Diese Messe zum Thema Folklore – Fashion Trends S/S 2020, Brown Age – Full Colour Forecast für Autumn/Winter 20/21 und Active Wear – Summer 2020.

Im Keyhouse widmet sich der Großteil der Aussteller dem Thema Sustainable Innovations. Beim Betreten der Halle ist in regelmäßigen Abständen ist ein lautes Hämmern zu hören. So, als würde jemand das Gebäude abreißen wollen. Ist es die schnelllebige Modeindustrie, die unsere Erde zerstört? Nein, es ist der Versuch nachhaltige Blumenprints zu erzeugen. Billie van Katwijk und Alissa Rees experimentieren mit der Schönheit der Blumen und beschäftigen sich dabei mit ihrer Vergänglichkeit. Mit einem großen Hammer und viel Kraft werden Blätter und Blüten in Fabrics hineingeschlagen und erzeugen somit neue Formen, Farben und Muster. Ihr Ziel ist es, dem Betrachter die besorgniserregenden Zustände der Bekleidungsindustrie näher zu bringen. Vielleicht steht der zu vollziehende Kraftakt, um die wunderschönen Muster zu erzeugen, für die Anstrengung, die erforderlich ist, um Mode nachhaltig zu produzieren.

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Am Ende des dunklen Raumes hängen Seidentücher von schwarzen Säulen herab, auf denen große Glasbehälter stehen. In den Glasbehältern sind braun-schlammige Flüssigkeiten und Algen. Manche haben schon angefangen zu schimmeln. Wenn man nicht wüsste, dass man sich auf der Munich Fabric Start befindet, könnte man glauben man sei im Büro eines Hogwarts Professors, der Zaubertränke braut. Ein wichtiger Unterschied: um nachhaltige Textilfarbe aus Algen zu gewinnen, braucht man keine Magie. Die niederländische Designerin Nienke Hoogvliet erforscht, wie man Algengarn herstellen kann. Sie sammelte über 20 verschiedene Algenarten um ihre Textilexperimente zu validieren und stieß dabei auf unglaubliche Ergebnisse. Jede Algenart hatte eine andere Farbe und zeigte damit auch eine eigene Farbpalette. Nienke Hoogvliet hofft durch ihre Experimente andere Designer zu inspirieren und will auf ein innovatives Material aufmerksam machen. Vielleicht sind Algengaren ein Lösungsansatz für die Probleme der Textilindustrie, denn Meeresalgen wachsen schnell und benötigen weniger Nährstoffe wie beispielsweise Baumwolle.

Kein Satz kam mir während meines Besuches auf der Munich Fabric Start öfter in den Sinn, als „Zu jedem Trend ein Gegentrend“. Die Modebranche befindet sich im Umbruch. Es gibt Nichts, das nicht im Trend ist. Jede Farbe war auf der Messe zu entdecken, keine Stoffvariation fehlte. Insgesamt konnte man zwei Trendrichtungen spüren, sehen und fühlen. Diese sind jedoch so krass konträr, dass man sich nicht mehr sicher sein kann, ob sie dann tatsächlich beide noch „Trend“ sein können.

Auf der einen Seite drehte sich alles um Nachhaltigkeit. Sustainable Innovations, Naturstoffe, Naturfärbungen und auch farblich spielte sich viel in dem Bereich der Erdtöne, Grünvariationen und der blauen Farbpalette ab. Konträr dazu war Neon als Statement Farbe nicht zu übersehen und auch die Bluezone beschäftigt sich ausschließlich mit dem Stoff Denim, der, egal ob stonewashed oder gebleached, umweltschädlich und wasserverbrauchend in der Herstellung ist. Auch Plastikstoffe, wie Lurex, PVC und Pailletten lenkten die Blicke der Besucher oft auf sich.

So spiegelt die Messe den derzeitigen Zustand der Modewelt perfekt wider. Es herrscht Chaos. Wir bewegen uns zwischen zwei Extrema und wissen nicht, wohin. Das einzige, das wir wissen: Wir müssen das System der Mode ändern, um unseren Planeten zu schützen. Wie wir das machen sollen? Ratlosigkeit.

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