FASHIONABLE FÜR JEDEN ANLASS – DIE WELT EINES CORPORATE STYLISTEN

Ob als Stilberater für namhafte Celebrities oder als Fashion Editor in der Magazinwelt: Der Beruf des Stylisten ist abwechslungsreich und vielfältig. Styling findet heutzutage nicht mehr nur am Set eines Modeshootings statt. Es gehört mittlerweile zur Corporate Identity von Marken. Denn für Brands und Unternehmen ist das visuelle Erscheinungsbild einer der wichtigsten Bestandteile ihrer Identität, nicht nur was Logo und Gestaltung angeht, sondern eben auch in Bezug auf das Stylen. Denn dadurch entscheidet der Kunde, ob er ein Produkt kauft oder nicht. Das Markenimage soll durch ein perfekt durchgestyltes Konzept optimal widergespiegelt werden und so den Kunden in seinen Bann ziehen. Klingt langweilig? Sicher nicht.

Dass Styling für Unternehmen große Bedeutung hat und alles andere als öde ist, zeigt sich bei Frank Oberberger. Seit 15 Jahren nennt er diese Branche sein Zuhause; wenngleich das Fachgebiet nischenspezifischer ist. Seine Profession bezieht sich auf Hostessen, die bei Events einen Konzern präsentieren. Genauer gesagt ist es ihr Look, den Frank für besondere Anlässe perfektioniert. Für diesen Beruf gibt es auch einen Namen: Corporate Stylist.

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So entsteht das Corporate Styling für ein Unternehmen.

 

Seit 1995 ist Oberberger schon im Stylisten-Business tätig und froh, dass er den Schritt in ein freiberufliches Leben gewagt hat. „Früher hieß es: Frank, geh zur Bank oder zur Krankenkasse!“, erzählt er. Die Entscheidung fiel auf die Deutsche Angestellten Krankenkasse, wo er seine Tätigkeit „ohne Begeisterung oder Aufstiegsambitionen“ erfüllte. Als Antwort auf die Frage, was er denn eigentlich hier mache, wusste er keine Antwort. Die anschließende Tat sprach für sich, denn kurzerhand reichte er seine Kündigung ein und landete wenig später in der Kreativbranche, wo er seiner Meinung nach als Paradiesvogel auch viel besser hineinpasst.

2004 gründete Frank Oberberger schließlich zusammen mit seiner Geschäftspartnerin Gertrud Nabel das eigene Unternehmen „ONstyling“ in München. Zur Namensgebung sagt er: “Wir waren eben sehr kreativ und haben uns an ABBA orientiert.“ Der Bandname der schwedischen Popgruppe besteht aus den Anfangsbuchstaben ihrer Vornamen – bei Frank und Gertrud sind es die Nachnamen, die verbunden wurden. „Und „NOstyling“ war keine Alternative“.

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Die Looks sind fertig – Die Auswahlmöglichkeit ist groß.

 

ON Point muss auch die Planung für ein exquisites Corporate Styling sein. Die Hostessen präsentieren auf Events für Franks Kundenfeld, das von Audi über Accor Hotels bis hin zu Bacardi oder LVMH reicht, die neusten Produkte. Abgestimmt auf Unternehmen und Image erfolgt dann das Einkleiden. Alles steht und fällt mit einem detaillierten Briefing, das vorab in Interaktion zwischen Frank Oberberger und dem Kunden erarbeitet wird. Darin wird geklärt, um welches Event es sich handelt, welche Zielgruppe angesprochen werden soll und ob dafür ein völlig neuer Look kreiert werden muss. „Durch das Network, das wir uns auf 20 Jahre aufgebaut haben, ist es möglich, unsere Kunden mit besonderen Kleidungsstücken zu versorgen, die nicht in jedem ZARA an der Stange hängen.“

Aber was ist eigentlich mit dem eigenen Stil? Den muss man beim Corporate Styling, anders als bei Fashion Editorials, ganz außen vorlassen. Es handelt sich schließlich immer noch um Auftragsarbeit. “Wenn ich nur das verkaufen würde, was mir gefällt, würden letztendlich alle nackt rumlaufen.“  – Vorrangig ist also, welche Kleidung am besten zum Markenimage einer Firma passt und nicht der personal Style.

Trotzdem gibt es Strömungen, auf die Rücksicht genommen werden muss. Im Zuge der Feminismus Debatte zum Beispiel, hat sich unsere Welt verändert. Ob im Job oder in der Freizeit – Frauen nehmen die übliche Rollenverteilung nicht einfach mehr so hin. Das macht sich auch im Corporate Styling bemerkbar und erfordert Reaktion. Der Schwerpunkt wird heute mehr auf umfangreiche Ausbildungen und Schulungen der Hostessen gesetzt, die nicht mehr nur als „Showgirls“ in knappen Outfits mit ihrem Hinterteil wackeln, sondern mit fundiertem Wissen begeistern. An diesen Maßstab wird ein Outfit angepasst, das nicht zu sexy, aber auch nicht zu konservativ ist. Sie vereinen also Schönheit und Wissen. Was könnte attraktiver sein?

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Das fertige Fitting kann anschließend beim Kunden präsentiert werden.

 

Über Schönheit lässt sich bekanntermaßen streiten. „Vor allem wenn es um Städte geht“, meint Frank. Als gebürtiger Niederbayer hatte er mit 13 Jahren seine erste Walddepression. Aber Wurzeln kann man nun mal nicht ablegen, sie werden immer ein Teil des Charakters bleiben. Was ihn am meisten an seiner Heimat stört, ist das oft einsilbige, konservative Denken. „Na des geht net“ ist wohl der Satz, den der Corporate Stylist viel zu oft zu hören bekommen hat.

Da ist München schon vielfältiger. Warum ausgerechnet diese Stadt zur neuen Wahlheimat wurde, lässt sich leicht erklären. „Meine großen Kunden sitzen nun mal alle in München und Umgebung.“ So ist Munich-City der zentrale Angelpunkt, von dem aus auch Unternehmen in Stuttgart, Zürich, Genf, Salzburg oder Wien betreut werden. „Da wär’s doch blöd, wenn ich nach Hamburg ziehen würde“, meint Frank Oberberger. Seine Lieblingsplätze unterscheiden sich jedoch von all den typischen Antworten, die man sonst erwartet. So ist es nicht der englische Garten oder der Flaucher, wo man den Stylisten antrifft. Samstags begibt er sich in die Münchner Altstadt, wo im Brenner „geluncht“ wird. Wenn man dem Großstadttrubel mal entfliehen will, fährt er zum Durchatmen an den Walchensee. Aber am liebsten genießt Frank seinen Abend auf einem ganz bestimmten blauen Sofa in der Donnersbergerstraße. Modemagazine und Duftkerzen inklusive.

 

Titelbild: Daniella Hehmann, Beitragsfotos: Frank Oberberger

 

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