DER ALLROUNDER DER MÜNCHNER FOTOGRAFIESZENE – EIN GESPRÄCH MIT SEBASTIAN SCHULZ

Nichts weniger als alles – Ein Motto, nach dem Sebastian Schulz zu leben scheint.  In seinem Portfolio befinden sich Modefotografien, Portraits, Stillleben, Fotodokumentationen von fernen Orten, Design und Architektur. Seine Bildsprache verfolgt ein klares Ziel:  den Zeitgeist einfangen. Auch mit uns hat er schon mehrmals zusammengearbeitet – unter anderem für das Fashion Editorial STAR DAZED. Ich habe mit ihm drüber gesprochen, wieso er genau in München gelandet ist, was für ihn Fotografie überhaupt bedeutet und wieso er das Skifahren lieber sein lässt.

Du bist in der Nähe von Bielefeld aufgewachsen, wieso hast du dich schlussendlich doch für München entschieden?
Ich hätte selber nicht gedacht, dass ich mal hier in München lande. Mein Studium mit Schwerpunkt Fotografie und Medien habe ich in Bielefeld absolviert und die meisten von meinen Kommilitonen sind nach Berlin oder Hamburg. Ich bin der Einzige von ca. 20 Leuten, der nach München ist. Sogar Leute aus München sind eher nach Hamburg oder Berlin (lacht). Da ist es allgemein einfach hipper und unter jungen Leuten angesagter. Ich bin eigentlich nur zufällig hier gelandet.

Bist du auch zufällig bei der Fotografie gelandet?
Ja. Ich komme aus der IT-Branche und bin durch Webdesign auf die Fotografie gestoßen. Irgendwann habe ich beschlossen, darauf den Fokus zu setzen. Ich war an einem Punkt, an dem ich gesagt habe: Ich studiere das jetzt – was ich auch getan habe. Ich habe mich aber immer schon gerne kreativ ausgetobt, viel gemalt und mit verschiedenen Medien herumexperimentiert. Dieser kreative Drang war schon immer da, nur das Medium dafür spielte damals eine untergeordnete Rolle. Mein Werkzeug, um mich auszudrücken, ist jetzt eben die Kamera.

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War der Schritt in die Fotografie eine unsichere Sache für dich?
Natürlich ist sowas anfangs unsicher, nach wie vor ist das so. Es gibt Höhen und Tiefen, aber man schlägt sich halt so durch. Manchmal macht man was anderes nebenbei. Ich denke, dass München gerade da Vorteile bietet, dadurch dass hier viele Verlage und Firmen ansässig sind und es hier noch nicht so überlaufen ist wie in Berlin. Das macht das Leben für mich als Fotograf einfacher.

Während deinem Studium hast du auch schon Auslandserfahrung gesammelt – Hat dich das in irgendeiner Weise geprägt?
Einmal habe ich ein Austauschsemster in Korea gemacht. Das war nochmal eine ganz andere Welt für mich. Davor war ich auf einer Exkursion in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut und der Kunsthochschule in Hanoi in Vietnam. 15 Nachwuchskünstler und Fotografen wurden eingeladen, um für das 1000-jährige Jubiläum der Stadt eine Arbeit zu machen. Einer davon war ich. Das hat meine Sichtweise auf viele Dinge verändert. In der Fotografie geht es auch darum, eine interkulturelle Kompetenz zu entwickeln und über den Tellerrand zu schauen. Wir im westlichen Kulturkreis haben einen relativ einfachen Blick für das, was hier passiert und als Standard gilt. In einer so vernetzten Welt wie der heutigen tut es aber gut, auch andere Kulturkreise kennenzulernen. Es ist generell wichtig, dass man auch andere Perspektiven und Herangehensweisen kennt, dadurch kommt man oft zu besseren Ergebnissen, weil man eben nicht nur einen Weg kennt.

Apropos Reisen: Wenn du selbst reist, bist du als Fotograf oder typischer Tourist unterwegs?
Ich möchte eigentlich ganz gerne Urlaub machen, schaffe es in der Regel aber nicht. Der Fotograf in mir und die große Kamera reisen immer mit. Zwischendurch ärgere ich mich manchmal, dass ich so viel mit mir rumschleppe, aber am Ende lohnt es sich, auch wenn ich dann nur ein gutes Bild mitbringe. Ich schaffe es höchstens einen Tag ohne Kamera. Wenn man den Schritt Richtung Professionalität wagt, macht man das ja auch aus Leidenschaft und das begleitet einen natürlich auch außerhalb der Arbeit, was aber gut so ist.

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Wie würdest du deine Arbeit selbst beschreiben?
Das ist eine gute Frage. Für mich spielt immer das Abbilden von gegenwärtigen Strömungen eine wichtige Rolle. Meine Fotografie soll den Zeitgeist dokumentieren. Das Einfangen von gesellschaftlichen Tendenzen steht im Vordergrund. Außerdem ist mir wichtig, dass Fotografie nicht nur als Mittel dient, um das Schöne abzubilden. Sie sollte Missstände aufzeigen und zum Diskurs anregen. Diese Moral zieht sich durch alle meine Arbeiten hindurch.

Spricht dich die Modefotografie besonders an?
Die Mode wird oftmals unterschätzt. Hinter einer Modefotografie steckt meist mehr als nur ein Abbild von Schönheit und Perfektion, sie sollte immer eine tiefere Aussage als Motivation haben. Zumindest macht das eine gute Modefotografie für mich aus. Ich begeistere mich aber genauso für die anderen Bereiche der Fotografie, sonst würde ich sie nicht machen. Manchmal passiert während eines Shootings etwas Unvorhergesehenes und manchmal läuft eben alles nach Plan. Jedes Shooting-Ergebnis wird dadurch für sich zu etwas Besonderem, egal ob Fashion, Portrait oder Contemporary Art.

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Neben all der Fotografie: Hast du denn überhaupt noch Zeit für Hobbys?
Mit meiner Freizeit verhält es sich ähnlich wie mit meiner Arbeit, ich probiere ziemlich vieles aus. Ich koche gerne, das ist bei mir aber eher Gefühlssache. Das Schlimmste was es gibt, ist nach Rezept zu kochen. Ich mache auch gerne Sport, ich jogge viel, habe ziemlich lange Judo und Jiu Jitsu gemacht, das mache ich schon seitdem ich 8 bin. Letztens habe ich mich im Tennis versucht, was erstaunlich gut geklappt hat. Hier in München gehe ich auch ein paar Mal in die Berge. Ski fahre ich aber nicht, ich komme aus dem Flachland und glaube, ich habe zu viel Respekt davor. Mit dem Alter kommt die Angst und die ist beim Skifahren nicht sonderlich hilfreich. Daher werde ich das lieber seinlassen. Außerdem male ich auch noch. Damit bekomme ich meine Freizeit dann schon ziemlich voll. Shoppen gehe ich nämlich auch noch gerne, wenn ich denn überhaupt mal Zeit dafür finde (lacht).

Fotos: Sebastian Schulz

Noch mehr von Sebastian Schulz Fotografien findet ihr hier:

 

 

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1 Kommentar

  1. Sehr schönes und ehrliches Interview!
    Es gefällt mir wie er über die Fotografie redet und deutlich macht, wie viel Arbeit dahinter steckt. Es sind genau die Fragen, die mich als Leser interessieren! 🙂

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