„WIR WOLLEN HIER NICHT WEG“ – DAS MÜNCHNER MODELABEL J’AI MAL À LA TÊTE

Bei einem Spaziergang durch die Reichenbachstraße in der Nähe des Gärtnerplatz leuchtet einem seit November ein neues Schild entgegen. Es gehört dem Label J’ai mal à la tête. Die Designerin Anja Pawlik und ihr Partner Roman Dorfner haben hier für ihre Männermode ein neues Zuhause geschaffen.

Die Idee zu J’ai mal à la tête ist schon während Anjas Studium an der Akademie für Mode und Design in München entstanden, wo sie heute unter anderem als Gast-Dozentin selbst unterrichtet. Ihre damalige Abschlusskollektion beschäftigte sich mit der Problematik von Fast-Fashion. Ketten wie H&M und Zara haben den Markt überladen, was der Jungdesignerin persönlich einfach zu viel wurde. „J’ai mal à la tête et à l’univers“ (sinngemäß übersetzt: Die Welt bereitet mir Kopfschmerzen), ein Zitat aus einem Roman des portugiesischen Schriftstellers Fernando Pessoa, verlieh diesem Weltschmerz einen Titel, woraus dann 2011 auch der Name ihres eigenen Labels wurde.

Zu Zweit ist’s doch viel schöner

Ein eigenes Label bedeutet aber gleichzeitig Verantwortung und enorm viel Arbeit. „Für einen alleine ist es kaum tragbar“, sagt Roman, der mit ihr gemeinsam die Marke aufgebaut hat. Privat sind die beiden ein Paar, was sie als Team noch enger zusammenschweißt. Während Anja für das Handwerk zuständig ist, beschäftigt sich Roman mit dem Marketing und der Kommunikation rund um das Label, seinen Laptop stets einsatzbereit. Eines ist ihnen dabei besonders wichtig: Das Label und nicht ihre Namen soll im Fokus stehen, weshalb auf ihrer Website auch keine Fotos von ihnen zu sehen sind.

Männer und Frauen haben viel gemein, außer ihre Passform

Es gibt wenig Münchner Labels, die mit J’ai mal à la tête in eine Riege gehören. Als reines Männerlabel ist der Wettbewerb hier eher gering. Aber warum eigentlich nur Männer? Anja fand es schon immer spannend, das andere Geschlecht einzukleiden, weil es ihr eine gewisse Freiheit im Design erlaubt. Sie kann Abstand zu sich selber nehmen und sich kreativ austoben. „Wir sind kein Unisex Label. Männer und Frauen haben einfach andere Passformen.“ Was aber nicht heißt, dass Frauen bei ihnen im Laden nicht willkommen sind. Besonders die Jacken ihres Labels werden oft in kleineren Größen geordert und von weiblichen Kundinnen getragen, die einen weiten lässigen Schnitt bevorzugen.

Zeitlos und klassisch

Generell findet man im Sortiment von J’ai mal à la tête aber typisch klassische Herrenmode mit Streetwear-Charakter. Die Liste umfasst unter anderem Bomber- und Cabanjacken, T-Shirts, Hemden und Stoffhosen. Wenn man ihren Stil auf ein Adjektiv runterbrechen würde, wäre es zweifelsohne: zeitlos. „Das macht uns aus. Man muss sich nicht immer neu erfinden.“ Qualitativ hochwertige und langlebige Materialien stehen bei J’ai mal à la tête klar über dem Trendfaktor. Das Label versteht sich nicht als Komplettausstatter, sondern bietet dem Kunden besondere Teile, die sich nicht nach einem kurzfristigen Trend richten, sondern mehrere Saisons aktuell sind und trotzdem einen gewissen Zeitgeist in sich tragen.

Diese Bemühungen scheinen eindeutig zu fruchten. Ihre Mode hat es von München über Berlin bis nach Paris in die Showrooms geschafft und war vier Saisonen lang auch in Shanghai zu sehen. Trotzdem sind sie ihrer Heimat treu geblieben. „Wir sind beide hier geboren und aufgewachsen. Wir wollen nicht aus München weg.“ Die zwei haben nie darüber nachgedacht, innerhalb Deutschlands umzuziehen. „München ist modetechnisch keineswegs hintendran, nur eben ein bisschen kleiner.“ Ihr gesamtes Netzwerk ist in München, man kennt sich in der Modebranche und sie fühlen sich hier als junges Label sehr gut aufgehoben, besonders jetzt mit ihrem neuen Store in der Reichenbachstraße.

Ihre Zielgruppe scheint das „be local, buy local“-Prinzip sehr gerne anzunehmen. „Ich mag es hier, das Label ist irgendwie näher an uns Kunden dran.“, offenbart ein Käufer während des Ladenbesuchs. In Zukunft wollen Anja und Roman noch mehr Projekte in Angriff nehmen. Während sie weiterhin auch im Pariser Showroom bleiben wollen, steht als nächstes ein Online-Shop auf ihrer To-Do-Liste. Und wer weiß, bei all der Laufkundschaft, die sich so in der Reichenbachstraße tummelt, ist vielleicht eines Tages sogar noch ein weiterer Laden drin.

Fotos: Tonda Bardehle (SS18); Kathrin Makowski (AW17/18); Ornella (Headerbild);

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