FOTOGRAFIE IN MÜNCHEN – INTERNATIONALE KÜNSTLER KOMMEN ZURÜCK IN DIE HEIMAT

Auf Facebook werden pro Sekunde 3.000 Bilder hochgeladen; das sind 259 Millionen Fotos am Tag. Schwester Instagram zählt täglich 20 Millionen neue Bilder. Wie viele Fotos an einem Tag tatsächlich gemacht werden, lässt sich kaum überprüfen. Aber anhand der Uploads ins Internet können wir zumindest erahnen, dass es unendlich viele sein müssen. Private Schnappschüsse mit dem Liebsten, im Urlaub mit Freunden mitten im Nirgendwo oder beim kulinarischen Höhenflug im besten Restaurant der Stadt. Was die Aufnahmen gemeinsam haben? Fotografien sind Momentaufnahmen unseres Lebens, die wir in den Händen halten können und die uns ewig erhalten bleiben. Damit verbunden sind die Emotionen, Gerüche und Erinnerungen dieses einen Augenblicks.

Um den Ausdruck der Gefühle ging es auch auf der Praterinsel in München. Nach dem großen Erfolg im letzten Jahr öffnete die Werkschau „photoMünchen“ am Freitag, den 16.11.18, zum zweiten Mal ihre Tore und begeisterte bis Sonntag die Fotoliebhaber. 110 Fotografen und Fotografinnen aus München und Umgebung zeigten ihre kunstvollen Aufnahmen auf der größten Werkschau für Fotografie in Bayern. Nicht nur international bekannte Stars wie Elizaveta Porodina, Armin Smailovic oder Matthias Ziegler stellten dort aus. Die Veranstaltung sollte auch neuen Talenten als Forum für ihr fotografisches Schaffen in München dienen. Einziges Kriterium: Die Arbeiten müssen im Zeitraum des letzten Jahres entstanden sein. „Damit zeigen wir auch aktuellen Zeitgeist“ erklärt der Produzent der „photoMünchen“ Michel Pernet. Der heutige Zeitgeist bricht die Grenzen zwischen Fotografie, Gesellschaft, Architektur und Mode, sodass alles ineinander verschwimmt und sich gegenseitig inspiriert.

FOTOGRAFIE DECKT GESELLSCHAFTSPROBLEME AUF

Aber Fotografie will nicht nur Gefühle zeigen und anregen; sie will provozieren, erschrecken und Missstände aufdecken. Fotokünstler Kurt Caviezel, der mittlerweile in Zürich lebt, fotografiert die Welt mit öffentlich zugänglichen Überwachungskameras in Echtzeit. Seine Werke mit dem Namen „Surveillance Report“ zum Thema Demenz gehörten zu einer der vier Sonderausstellungen der „photoMünchen“, und das zurecht. Er wagte sich mit seinen Bildern in eine düstere Welt des Vergessens, vor der die meisten ihre Augen lieber verschließen. Demenzkranke Menschen werden auf Pflegestationen oft mit Videokameras überwacht, weil eine 24-stündige Betreuung durch Personal nicht möglich ist. Die Absicht dahinter wirft Fragen auf: Wie weit darf man sich in die Privatsphäre einer Person mittels Kamera einmischen? Wie kann der Patient geschützt werden, wenn das Videomaterial oft unverschlüsselt für jeden zugänglich ist? Kurt Caviezel gibt berührende Eindrücke, die zum Nachdenken anregen.

FOTOGRAFIE ZEIGT DIE BEZIEHUNG ZUR UMWELT

Die Fotografie ist vielseitig. Ein anderer Aussteller widmete sich einer Ästhetik, bei der der Mensch nur schauen und staunen kann: der Natur. Stefan Bogner gründete 1994 sein eigenes Designbüro „fpm factor product münchen“. Er fotografierte für seine Reihe „Images of Iceland“ die Kurven und Pfade der Berge und Täler Islands aus verschiedenen Perspektiven. Das Licht spielte hier eine entscheidende Rolle: Durch seine beständige Veränderung verformt es den Charakter einer ganzen Landschaft. Die reliefartigen Aufnahmen veranlassen den Betrachter dazu, direkt ins Bild greifen zu wollen. Am besten beschreibt es wohl der isländisch-dänische Lichtkünstler Ólafur Elíasson. „Die Isländer haben eine Beziehung zur Natur, wie Menschen sie sonst zu engen Verwandten haben.“ Genau diese intime Verbindung zu ihrem Beobachter erzeugen die Bilder von Stefan Bogner. 2010 gründete er das Special-Interest Magazin „Curves“, das ähnliche Aufnahmen von Bergpässen und Straßenwendungen mit Roadmovie-Geschichten paart.

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FOTOGRAFIE VERANLASST ZUM TRÄUMEN

Fotografie darf auch entführen und verführen: In die Fantasiewelt der Mode. In Modemagazinen sind die Fotostrecken das Highlight für den Leser. Einer, der in die Kreativbranche praktisch hineingeboren wurde, ist Michael Groeger. Aufgewachsen in einer künstlerischen Familie, entdeckte der Modefotograf und Filmemacher schon früh seine Leidenschaft für die Kamera. Nach seinem Master an der „School of Visual Arts“ in New York, assistierte der Münchner unter anderem Starfotograf Steven Klein. Diese Zusammenarbeit schärfte seine kreativen Fähigkeiten besonders. Auf der „photoMünchen“ zeigte auch er Eindrücke aus seinen Werken des vergangenen Jahres. Licht, Schatten und den „einen Augenblick“ festzuhalten, das scheint der Fotograf perfekt zu beherrschen. Natürlichkeit und starke Charaktere lassen sich aus den Aufnahmen herauslesen. Kunden, wie Stylebop, Zara, Triumph International, Elle, L’Officiel oder Marie-Claire vertrauen auf das Können von Michael Groeger aus München.

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Wer hätte gedacht, dass so viele „Münchner-Kindl“ überall auf der Welt verstreut sind und uns mit ihren innovativen Werken inspirieren? Zur „photoMünchen“ kommen sie zurück in ihre Heimat. Die Aufgeräumtheit, die Nähe zur Natur und das „Großstadt-Feeling“. All diese Dinge vereint München. Genau das scheint auch die Kreativszene zu schätzen und wächst stetig. Auch wenn oft über die Knappheit von Räumlichkeiten geklagt wird, so ist es doch an unserer Generation genau hinzusehen, um leerstehende Flächen besser zu nutzen. Münchens Kreative sind bereit, die Momentaufnahmen des kommenden Jahres einzufangen – bis zur nächsten „photoMünchen“.

Fotocredits: Anna-Lena

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