GENERATION „HYPEBEAST“

Zwischen heißbegehrten Sneakern und 20 € teuren Plastikzahnbürsten von Supreme versammelte sich am vergangenen Sonntag Münchens Streetwear-Szene zu der Sneakermesse „Laced Up“ im Muffatwerk. Seit 2013 zieht das Event jährlich die Turnschuhliebhaber in ihre Hallen. Zu Hip-Hop Musik und kühlen Drinks werden die neusten Trends der Szene begutachtet und im besten Fall gleich gekauft. 

In der Halle angekommen, beginnt das Schaulaufen. Die Blicke führen zuallererst nach unten. Im Fokus, natürlich, der Sneaker. Wer hier keine ausgefallene Special Limited Edition trägt, fühlt sich schnell fehl am Platz. Je teurer und seltener, desto besser und das inmitten eines Publikums mit einem Durchschnittsalter von 16 Jahren. Von Kopf bis Fuß schmücken sich die sogenannten „Hypebeasts“ mit Logos von Marken wie Off-White, Supreme und Balenciaga. Wer nicht zumindest eins dieser Labels im Schrank hängen hat, ist nach Aussage vieler Kids einfach nicht cool.

Für die unter uns, denen der Begriff „Hypebeast“ noch nicht zu Ohren gekommen ist: Erstmals tauchte der Begriff Ende der 1990er Jahre auf und beschreibt Menschen (vor allem Männer), die seltene und teure Sportschuhe sammeln. Der damalige College-Student Kevin Ma startete 2005 den Blog Hypebeast, auf dem er seine Sneakerleidenschaft mit anderen Usern teilte. Mit rund 6,8 Millionen Followern alleine auf Instagram hat sich der Blog bis heute zu einem der einflussreichsten Portale der Streetwear-Szene entwickelt.

In Begleitung ihrer fürsorglichen Eltern streichen die Halbstarken um die ca. 20 Stände, auf der Suche nach den angesagtesten Stücken, die ihnen das Gefühl vermitteln, Teil der Community zu sein. Wer meint, ein Schnäppchen machen zu können, sucht allerdings vergeblich. Ob neu oder gebraucht — die meisten Sneaker sind erst ab 300 € zu haben. Da muss Papa oder Mama als persönlicher Sponsor tief in die Tasche greifen. 

Der Hype umfasst aber mehr als nur ein paar hippe Turnschuhe. Es geht vielmehr darum, den Lifestyle ihrer Idole zu imitieren. Dabei spielt vor allem die Hip-Hop Szene eine entscheidende Rolle. Spätestens seit den 60er Jahren hat Musik einen großen Einfluss auf die Jugend. Führende Marken wie Nike und Adidas nutzen das für sich. Statt No-Name Models für ihre Werbekampagnen zu nehmen, wählen Modeunternehmen Rapper wie Kanye West, Travis Scott und Kendrick Lamar. Travis zierte zwei Jahre lang die Werbebanner von Alexander Wang, mit der „Yeezy“ Kollektion hat Kanye einen neuen Hype um Adidas erschaffen und Kendrick entwarf dieses Jahr gemeinsam mit Nike eine neue Version des Cortez Sneaker.

Das große Highlight der Veranstaltung: die Verlosung der blauen Off-White x Air Jordan Sneaker. Momentaner Wert: 1250€. Das „It- Piece“ der Saison. Der Schuh entstand bei einer Kollaboration zwischen Designer Virgil Abloh und Nike, die zusammen eine limitierte Kollektion entwarfen. Gewinner des Tages war ein 14-jähriger Junge, dessen Mutter ihm sicherheitshalber gleich 15 Lose gekauft hatte. 

Der Rest der Besucher geht mit leeren Taschen oder Geldbeuteln nach Hause.  Auch nächstes Jahr soll die „Laced Up“ wieder in München stattfinden. Es besteht also Hoffnung.  Ansonsten gilt es das Ganze entspannt zu beobachten, denn wie sagt man so schön „Don´t believe the Hype.“

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Fotos: Sintia Blakaj

1 Kommentar

  1. Toller Post, der einem Einblicke in die verrückte Markenwelt der Mode gibt. Auch toll zu erfahren was in München für Modebegeisterte Menschen alles angeboten wird.
    Interessant auch zu sehen, wie gerade die junge Generation sich von solchen Marken beeinflussen lässt.
    Werde nächstes Jahr aufjedenfall auch dort vorbei schauen!

    Liken

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